Timur & Bayezid
Ein Gott im Himmel – Ein Herrscher auf Erden

Personen:

Emir Timur Filippo Minecci Countertenor
Herrscher der Tataren
Sultan Bayezid Tansel Akzeybek Tenor
Sultan der Osmanen
Mara Despina Laila Salome Fischer Mezzosoprano
Frau von Bayezid
Saray Mulk Hanim
Frau von Timur
Konkubine
Seyyid Bereke Mazen Mohsen Gesang
geistlicher Berater von Timur
Emir Sultan
geistlicher Berater von Bayezid

Musik von
Händel, Gasparini, Sammartini, Giacomelli, Jommelli, Broschi.
Mongolische und orientalische Musik

Ein Pasticcio von
Mehmet C. Yeşilçay

Pera Ensemble

Mehmet C. Yeşilcay musikalische Leitung, Oud, Dombra, Colascione
Serkan Mesut Halili Kanun
Volkan Yılmaz Ney, Perkussion
Tumouru Morin chuur
Uranchimeg Nyamsuren Shanz
Dmitry Lepekhov Violine
Theona Gubba Violine
Sergey Filchenko Viola
Pavel Serbin Cello
Rüdiger Kurz Bass
Clar Sirjacobs Oboe
Dmitry Lepekhov Fagott
Vanessa Heinisch Theorbe, Barockgitarre
Massimiliano Toni Cembalo
Ozan Pars Perkussion
Sebastian Flaig Perkussion

Arrangements und Bearbeitung
Mehmet C. Yeşilçay

Produktion
Pera Kulturprojekte in Zusammenarbeit mit Associazione Culturale Timur & BayezidLa Terza Pratticca

www.pera-ensemble.com

© pera-ensemble

Im Zuge der Türkenmode entstanden im Barockzeitalter zahlreiche Opern mit Titeln wie Solimano (Hasse), Memmet (Sammartini) und Tamerlano und Bajazette. (Jommelli, Gasparini, Bernasconi, Porpora, Leo, Händel ein Pasticcio von Vivaldi, Scarlatti u.a.) Das Libretto zu den Bajazette und Tamerlano Opern stammte von Agostino Piovene, wobei ältere französische Fassungen als Vorlage gedient haben sollen.
In Europa war man eher an den Exotismen und märchenartigen Geschichten aus dem Orient interessiert. So hatte das Libretto von Piovene so gut wie nichts mit den historischen Tatsachen zu tun. 1711 vertont Gasparini die Urfassung seines Tamerlano. Der berühmte Tenor Borosini sang die Rolle des Bajazet, der höchstwahrscheinlich 1719 Händel die Partitur von Gasparini in London überreichte. Die Eröffnungsarie „Forte“ und die Sterbeszene des Bajazet am Ende des dritten Aktes diente Händel als Vorlage und Vorbild. Händel veränderte seine ursprüngliche Sterbeszene und kopierte die dramatisch herzzerreißende Szene von Gasparini. Diese gravierende Veränderung machte Händels Tamerlano zu einer Oper mit expressiven und dramaturgisch eindrucksvollen Momenten und somit zu einem herausragenden Werk in seinem gesamten Opernschaffen.

Wir wie in den Geschichtsbüchern lesen können, hat keine dieser Opern mit den historischen Ereignissen gemein. Der Kampf der Titanen Timur und Bayezid geriet in den Hintergrund und ein ständig jammernder und hilfloser Bayezid, Timur, der sich in seine Tochter verliebt, Asteria eigentlich in Andronico verliebt wirken in einer Oper, das im Barock gut funktioniert haben mag. Unsere Geschichte zeigt etwas mehr die eigentlichen Ereignisse, die uns von verschiedenen Quellen überliefert wurden. An dieser Stelle Dank an Justin Marozzi, der Author von Tamerlane: Sword of Islam, Conqueror of the World (2004), der uns hinsichtlich der historischen Ereignisse und Quellen beratend zur Seite stand.

Der Kampf der beiden Alpha Männer steht in unserer Geschichte im Vordergrund. Sie kämpfen bis nur einer übrig bleibt und den Verlierer vernichtet. Sie schreiben Geschichte, aber sie sind sterblich. Wir sehen, dass beide diese Erfahrung am Ende machen. So endet auch unsere Geschichte mit dem Tod beider Despoten. Diese Geschichte der gewaltigen Begegnung von zwei Männern ist in der Weltgeschichte kein Einzelfall. Gestern, wie heute sind viele machtgierige Männer in den Schlagzeilen. Der einzige Unterschied ist, dass niemand über Trump oder Putin eine Oper komponieren wird. Oder doch?

Synopsis

PART 1

Prolog – KRIEG – GEFANGENSCHAFT

1389 in der Schlacht von Amselfeld besiegt der osmanische Sultan Murad I, der Vater von Bayezid das christliche Koalitionsheer unter der Führung von Fürst Lazar. Beide Anführer fallen bei der Schlacht. Die Serben unterwerfen sich den Osmanen und schwören als neue Untertanen Treue. Lazars Sohn Stefan verheiratet seine Schwester Mara Despina mit Bayezid, um diese Treue gegenüber Bayezid zu bekunden.

Bayezid folgt seinem Vater auf den Thron und vergrößert die osmanische Dynastie; seine Feldzüge sind erfolgreich und ein glorreicher Sieg gegen die Kreuzfahrer unter der Führung König Sigismund bei Nikopolis verfestigen seine Herrschaft. Byzanz ist ihm tributpflichtig und er will Konstantinopel einnehmen. Durch seine blitzartigen Feldzüge wird Bayezid nun Yıldırım Bayezid, Bayezid der Blitz genannt.

Im Osten stehen die Goldene Horde des Emir Timur. Er ist ein Hervorkömmling, der nicht von einer Khanfamilie- und Dynastie abstammt. Erst mit der Heirat der Nachkommin des großen Khan Dschingiz, Saray Mulk Hanim kann er sich über Respekt und Unterwürfigkeit der mongolischen Clans sicher sein.

Er ist bekannt für seine Gräueltaten, Brutalität und für eine endlose Machtgier, so weit wie die Steppen Zentralasiens. Durch eine Pfeil Verletzung in seiner Jugend lahmt er und sein rechter Arm ist unbeweglich. So wird er Timur Lenk, Timur der lahme und im Westen Tamerlan genannt. Beinahe der gesamte Nahe Osten und die heutigen Turkmenischen Republiken, Teile Indiens, Persien hat er in kurzer Zeit erobert. Beide Fürsten, Timur und Bayezid stammen eigentlich von Turkvölkern ab und sind sunnitische Muslime. An Bayezids Hof lebt der große Sufimeister Emir Sultan, der ihm mit geistlichem Rat zur Seite steht, an Timur Hof ist es Seyyid Bereke, ebenso ein Sufilehrer und Philosoph. Beide raten ihren Fürsten von Bruderkrieg ab, ohne Erfolg. Viele Briefwechsel zwischen Timur und Bayezid, mit Beleidigungen und Drohungen führen zur Eskalation und 1402 kommt es schließlich bei Ankara zur endscheidenden Schlacht.

GRAUSAMES SCHICKSAL

Bayezid und Mara Despina als Gefangene am Hofe Timurs. Bayezid der strahlende Herrscher, der Bezwinger und der Blitz, gefangen mit seiner geliebten Frau am Hofe Timurs. Tod, die einzige Lösung für diese Schmach? Timur hat ihn besiegt, er ist nun der alleinige Herrscher, dem Alles zu Füßen liegt. Triumpf…

RACHE oder VERGEBUNG

Seyyid Bereke betet für die Vergebung der Sünden und um die Linderung der Leiden der Verfolgten und Sünder. Bayezid und Mara sind blind vor Rachegefühlen. Das Schicksal hat hart zugeschlagen ..
Bayezid, immer noch der stolze Sultan, der Timur ebenbürtig ist, will bis zum letzten Kämpfen.

GEWINNER UND VERLIERER

Timur ist voller Hoffnung und Energie für seine politischen Ziele. Auf der anderen Seite Bayezid, der in seiner Verzweiflung den Tod besingt. Mara Despina, liebt sie noch Bayezid? Eine verachtete Frau, was wird mit ihr geschehen? Wird Timur Gnade walten lassen?

PART 2


VERGEBUNG?

Timur sinnt nicht nach Rache. Nach mongolischer Tradition sind Könige und ihre Frauen tabu und unter seinem Schutz. Timur fühlt sich beleidigt von Mara Despina. Bayezids Beleidigungen vor dem Krieg, seine liebe Gemahlin an osmanische Soldaten zu verschenken kommen ihm wieder in den Sinn. Soll er Mara Despina dafür bestrafen?

Mara Despina sieht keinen Ausweg, sie ahnt nichts von den Plänen von Timur. Sie weiß, dass Bayezid Todessehnsüchte hat und wird sie ihn auch in den Tod begleiten? Bayezid ist schwer krank, sein Herz gebrochen, nur der Tod kann ihm Frieden und Erlösung bringen. Auch nicht der geistige Trost seines Freundes Emir Sultan kann ihn vertrösten.

DER LIEBENDE DESPOT

Bereke zitiert den großen Philosophen Ibn Arabi (1165-1240). „Liebe ist meine Religion“

Er hatte Timur vom Krieg abgeraten und bemüht sich nun seinen Freund und Gebieter abzulenken. Was kann Timur besser besänftigen als seine liebe Gemahlin Saray Mulk Hanim. Timur und seine Gemahlin haben für einen kurzen Augenblick Ruhe. Saray Mulk hat Angst um Timur, der schon seinen nächsten Feldzug plant. Der Gedanke der Trennung schmerzt aber sie erinnert sich an die Liebe zu Timur, als sie ihn zu ersten Mal sah.

TRAUER UND GLÜCK
Bayezid und seine Frau erleben soeben genau das Gegenteil. Vom Glück verlassen bleibt ihnen nur der Traum vergangener Tage. Angst, Verzweiflung und stürmische Tage bringt ihnen das Schicksal. Mara Despina will nicht aufgeben und will bis zum Ende ihrem Schicksal trotzen.

DAS ENDE, DER TOD, FREIHEIT
Bayezid ist schwer krank. Hat er sich selbst vergiftet oder kann sein gebrochenes Herz diese Schmach nicht mehr ertragen? Er liegt im Sterben. Im Todeskampf und Halluzinationen sieht er den Tod seines Widersachers Timur. Die Realität verschwimmt; das Schicksal, besiegelt für beide Herrscher. Timur nie besiegt in einer Schlacht, der Herrscher über die Goldenen Horden fühlt, dass das Ende naht. Die Realität verschwimmt, Zeit und Ort wechseln sich. Der Tod kennt keine Grenzen und ist für den Menschen ein Mysterium.

Gezeichnet von Krankheiten stirbt der Emir Timur ein Jahr nach Bayezid während eines Kriegszugs.
So stirbt jeder für sich allein, aber ist zu einem Teil des Anderen geworden.

إِنَّا لِلَّهِ وَإِنَّ إِلَيْهِ رَاجِعُونَ

Inna lillahi wa inna ilayhi radschiun -Siehe, wir gehören Allah, und zu Ihm kehren wir heim