Mehmet C. Yeşilçay, 
1959 in Istanbul geboren, in München aufgewachsen, hat sich durch weltweite Auftritte sowie durch umfangreiche Tonaufnahmen den Ruf eines bedeutenden Interpreten und Musikwissenschaftlers erworben.

Seit 30 Jahren widmet er sich als Musiker, Forscher und Ensembleleiter mit Leidenschaft dem musikalischen Repertoire aus Orient und Okzident, das vom 10. bis ins 19. Jahrhundert reicht. Seine von lebendiger Emotion und schöpferischer Vitalität geprägte Arbeit mit ihrem grenzübergreifenden Charakter betont einerseits die Diversität der verschiedenen musikalischen und kulturellen Welten. Zugleich aber hebt er bestehende Gemeinsamkeiten hervor und macht den musikalischen Austausch zwischen Orient und Okzident zum Mittelpunkt seiner Arbeit. Als Ausdruck des europäischen Interesses am Orient, insbesondere der Kultur der Osmanen und deren Einfluss auf Kunst und Kultur fand es, bezeichnet mit „Turquerie“ oder Türkenmode, seit dem 16. Jahrhundert in Europa starke Verbreitung.

Mit seinen eigenen Arbeiten wie etwa der Vertonung von Gedichten aus dem „west-östlichen Divan“ Johann Wolfgang von Goethes, tritt Yeşilçay auch als zeitgenössischer Komponist in Erscheinung. Seine Opernpasticcios und Programme wie „Café-Orient meets Occident“, „Baroque Oriental“ oder „Jerusalem“ haben Leuchtturmwirkung für den Dialog der Kulturen. 2016 fand die Welturaufführung seiner symphonischen Dichtung “DIASPORA- Lieder aus der Fremde“ statt, eine Komposition für großes Orchester und türkische Instrumente, durch Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz statt.

Besondere Aufmerksamkeit fand ein von Mehmet C. Yeşilçay konzipiertes Projekt unter dem Titel “Music for the One God“ – die drei monotheistischen Weltreligionen von Muslimen, Juden und Christen im Spiegel ihrer Musik, mit Werken von Hildegard von Bingen, Bach, Vivaldi und Pergolesi, byzantinischer und armenischer Kirchenmusik, aramäischen Gesängen, sephardisch jüdischer Synagogalmusik und Sufimusik. „Music for the one God“ wurde mehrmals aufgeführt, unter anderem in dem Weltkulturerbe Hagia Irena in Istanbul sowie mehrmals in der Philharmonie München und weiteren Festivals und Konzerthäusern. Yeşilçay begann seine Musikausbildung im Alter von sechs Jahren bei seinem Onkel Seyyid Nusret Yeşilçay.

Mehmet C. Yeşilçay

Er studierte Oud (die arabische Laute) und Maqamtheorie, die Theorie der osmanisch-türkischen Musik, bei Cinuçen Tanrikorur. In ergänzenden Studien beschäftigte er sich eingehend mit der europäischen Klassischen Musik. Er arbeitete als Solist mit verschiedenen Ensembles wie Sarband, Concerto Köln und Hespèrion XX unter Jordi Savall zusammen. 2005 gründete er das Ensemble Pera, dessen musikalischer und künstlerischer Leiter er bis heute ist.

Zahlreiche CD-Aufnahmen dokumentieren die Arbeit des Ensembles Pera und Mehmet C. Yeşilçays und ihre musikalischen Entdeckungsreisen, bei denen die unterschiedlichsten musikalischen und kulturellen Identitäten ergründet werden sollen. Derzeit arbeitet Yeşilçay an verschiedenen neuen Projekten wie etwa „Hegire“, einer Vertonung von Gedichten Goethes, Rückerts und Rilkes für Kammerorchester und Solisten, sowie an der symphonischen Dichtung für Orchester, Chor und türkische Instrumente, „Istanbul“.

Weltweit stehen Konzerte mit seinem Ensemble auf dem Programm, darunter die Beteiligung am Opernprojekt „Timur & Bayezid“ Juni 2022 bei den Händelfestspielen in Halle.

Die Pädagogische Hochschule Heidelberg wird im Rahmen des Projektes „Lieder aus der Fremde“, das Teil des vom BMBF geförderten Vorhabens TRANSFER TOGETHER ist, rund um das Werk von Mehmet C. Yeşilçay zahlreiche konzertpädagogische Aktivitäten rund um Goethes West-östlichen Divan konzipieren und durchführen. Die Abteilung Musik erarbeitete im wissenschaftlich fundiertes Best-Practice-Modell der konzertpädagogischen Kooperation, das Themen und Texte aus dem West-Östlichen Divan aufgreift und in Vielfältiger Weise beleuchtet. In diesem Rahmen soll Goethes Werk vor allem musikalisch, aber auch unter Herstellung thematisch-praktischer Bezüge zur Darstellenden Kunst, sowie zur Literatur und zum Theater für Schülerinnen und Schüler bearbeitet werden.

“Eine musikalische Sozialisierung muss heute die Fähigkeit vermitteln, sich im Spannungsfeld der verschiedenen Kulturen respektvoll und bewusst bewegen zu können. Mehmet Yeşilçay ‘s Werk eignet sich außerordentlich für eine solche Arbeit, weil er es schafft, aufbauend auf seiner eigenen interkulturellen Identität, künstlerisch auszudrücken, welche Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten, aber auch welche Spannungen in einer kulturübergreifenden Arbeitsweise liegen. Seine Musik wird dadurch nicht nur zu einem Spiegel der Gesellschaft, sondern zeigt darüber hinaus.” 

Kathrin Schweizer Projekt TRANSFER TOGETHER – PH Heidelberg

Einige seiner Kompositionen:

“DIASPORA- Lieder aus der Fremde. Komposition für großes Orchester und türkische Instrumente”
Weltpremiere 26. Mai 2016-Staatsphilharminie Rheinland Pfalz

“DIVAN- Goethe verbindet. Komposition für Orchester, Chor, Solisten und türkische Instrumente
Weltpremiere 24. Oktober 2018-Münchner Philharmonie
Münchner Symphoniker & das Pera Ensemble, Domchor München.