Presse

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Mitteldeutsche Zeitung

Mit "Armida statt Rinaldo" hatten Werner Ehrhardt und Mehmet C. Yesilkay ein Pasticcio gebacken, das Zutaten aus Händel-Opern mit exotischen Gewürzen kombinierte - eine Melange aus Orient und Okzident, die sich als Rezept in Papierform wie ein respektvolles Neben- und Nacheinander las. Doch was man dann in der Ulrichskirche erlebte, war viel mehr - eine raffinierte Mischung der Aromen, eine wechselseitige Durchdringung und Bereicherung der Klangwelten.

Die Idee, die eurozentrische Sicht auf die Kreuzzüge umzukehren, sorgte dabei für den ästhetischen Mehrwert: Wenn sich nach einer Barock-Battaglia die türkische Ney-Flöte mit ihrem rauen Ton meldete, sah man förmlich den Wind über das leere Schlachtfeld fegen. Wenn sich der lupenreine Sopran von Juanita Lascarro oder der hohe Ton von Florin Cezar Ouatu mit den ungewohnten Skalen von Ahmet Özhan mischte, rührte gerade die Differenz zwischen diesen Ausdrucksformen unmittelbar an. Wie beflügelnd aber die Percussion auf die Streicher wirkte, wie perfekt sich die Klangfarben zu neuen Tönungen verbanden - das sollte die Veranstalter zu weiteren Begegnungen dieser Art ermutigen, bei denen die Barockmusik ihr Eigenes im Anderen spiegelt.

www.opernnetz.de

Mehmet Cemal Yesilcay und Werner Ehrhardt haben „ein interkulturelles Opernpasticcio“ – so der Untertitel dieses Armida-Projekts – zusammengestellt, ja geradezu genial zusammenkomponiert, das vor allem eines weckt: Emotionen! Und dies auf eine kaum zu beschreibende, ergreifende Weise.

... Eine Wucht, was dieser junge Rumäne an vokalen Funken schlägt, in Händels „Venti turbini“ beispielsweise. Balsamisch flutet sein „Ombra mai fu“, quecksilbrig schwirren seine aberwitzigen Koloraturen in „Crude furie“.

und Ahmet Özhan lässt seinen urwüchsigen, glaubwürdigen, überzeugenden Tenor fließen

... Weiß diese Sängerin, weiß Simone Kermes eigentlich, was sie in solchen unvergleichlichen Augenblicken anrichtet mit ihrem Publikum? Hektoliter an Tränen sind da geflossen-

Ruhrnachrichten

Festival Klangvokal
Pasticcio "Armida" war ein Brückenschlag von Händels zu türkischer Musik
Von Julia Gaß am 7. Juni 2009 

Ohne Brüche flossen Händels Musik und die aus der Türkei ineinander. Die "Armida" von Mehmet C. Yesilcay und Werner Ehrhardt erzählt die Geschichte der Liebe über Religionsgrenzen hinweg zwischen der Muslima Armida und dem Christen Rinaldo.
Simone Kermes, eine wilde, leidenschaftlich singende und spielende Sopranistin, wandelte emotionaler zwischen Orient und Okzident. Anrührende Momente hatte sie in den stillen Szenen, packende in den Arien, in denen sie zur Furie wurde.

Westfälische Nachrichten,

1. Februar 2009
Der Dirigent tanzt
... Das Steinfurter Publikum weiß, dass man zwischen den Sätzen- oder hier zwischen den Arien und Gesängen nicht klatscht – aber an diesem Abend siegte die Begeisterung vor der Contenance: Es gab ständig Beifall nach bewegend gesungenen arien oder auch nach einem Tambourin Solo – und natürlich bei dem mehrfach wiederholten Finale.

Monika Fahlbusch

Westfälische Nachrichten,

1. Februar 2009
Händels Orient-Ausflug
... Eine Oper die es gar nicht gibt ... aber mit drei außerordentlichen Künstlern, die jeden Augenblick mit elektrisierender Spannung füllten. ....
... die hoch konzentrierte Spannung entlud sich in überschäumenden Beifall.

Chr. Schulte im Walde

Münsterische Zeitung,

2. Februar 2009
.... So emanzipiert wie in diesem Konzert haben Orient und Okzident noch nie miteinder musiziert.
... Werner Ehrhardt leitete das Barockorchester L’arte del mondo und das türkische Pera-Ensemble. In der Kombination beider Musikkulturen überraschten die Gemeinsamkeiten mehr als die Unterschiede, angefangen bei der verblüffend ähnlichen Besetzung.
Und doch behielt jede Musik ihre Charakteristika. So deutlich wie in noch keinem anderen Konzert wurde die Frage, ob es eine allgemeingültige Musikkultur gibt, beantwortet: Nein, gibt es nicht. Und das ist auch gut so.

Dirk Jaehner

Leverkusener Anzeiger

Eine Versöhnung der Kulturen und Religionen, gewonnen aus dem Geist der Musik - das war „Armida, ein interkulturelles Opernpasticcio“, zu sehen im Forum. Im Untertitel verhieß das Projekt „Händel-Opern treffen auf türkische Musik“, und aus diesem Meeting ergaben sich dann sehr reizvolle Momente. Des Inhalts, dass Arien und Szenen aus Händels „Rinaldo“, „Julius Cesar“, „Alcina“, „Xerxes“ und „Agrippina“ mit Improvisationen aus dem osmanischen Reich konfrontiert, ergänzt und verschmolzen wurden. So ergab sich ein schillerndes musikalisches Panorama, in jeder Facette spannend und berührend.

 

Ich bin Wind Du bist Feuer

Bergische Symphoniker musizieren mit Klassik-Stars

Von Anne-Kathrin Reif

Ich bin Wind, und du bist Feuer - der Titel des 4. Philharmonischen Konzerts der Bergischen Symphoniker stammt aus dem Gedichtzyklus. West-östlicher Diwan von Johann Wolfgang von Goethe.

Orient und Okzident, Christentum und Islam lässt der Dichter, der eine tiefe Verehrung für die arabische Kultur hegte, hier zusammenfließen. Eine seiner Inspirationsquellen ist der große islamische Dichter und Philosoph Behli-Rumi, dessen 800. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird.
Frischen Wind bringen die Bergischen Symphoniker mit der Programmidee einer deutsch-türkischen Begegnung in den Konzertsaal: "Es ist uns schon lange ein Herzenswunsch, auch türkische Mitbürger anzusprechen", meint GMD Romely Pfund dazu. Und Gastdirigent Werner Ehrhardt vermittelt im Gespräch mühelos das Feuer der Begeisterung: "Wir haben das große Glück, mit den allerbesten Leuten für diese Musik zusammenzuarbeiten", schwärmt er.
Gemeint sind das türkische Pera-Ensemble und Gesangsstar Ahmet Özhan: "Wenn er singt, hält man den Atem an." Özhan, 1998 zum "Staatskünstler" berufen, gilt als einer der bekanntesten und erfolgreichsten Solisten der klassischen türkischen Musik.
Die Idee des Konzertes: Musikalische Welten des Orients und Europas treffen aufeinander, besinnen sich auf ihre Gemeinsamkeiten und gehen eine neue Verbindung ein. So werden im ersten Teil von türkischer Musik inspirierte Werke von Haydn, Beethoven und Rossini Kompositionen klassischer türkischer Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert gegenüber gestellt (z.B. Mustafa Itri Efendi, Zeki Mehmet Aga).
Verbindendes Element dabei sind Gedichte aus Goethes "Diwan" und von Belhi-Rumi, die von
Wolfgang Eysold, Chef des Westdeutschen Tourneetheaters, rezitiert werden.


Nach der Pause wird aus dem Neben- ein Miteinander-Musizieren - bei der Komposition "Le Desert" von Felicien David (1810-1876) ebenso wie bei der Uraufführung einer Komposition für türkische Instrumente und Symphonieorchester von Mehmet Cemal Yesilcay - er spielt im Pera-Ensemble die türkische Laute Ud. Dirigent Werner Ehrhardt ist sich sicher: Mit diesem außergewöhnlichen Projekt sind die Bergischen Symphoniker Vorreiter in der deutschen Musiklandschaft.

 

Ludwigsburger Schlossfestspiele laden zur "Fête du Serail" in der Bietigheimer Kelter

Mozart hat den jungen Liebenden einige schöne Arien auf den Leib geschrieben, die in manchem wie Fingerübungen zur "Entführung" anmuten. Etwa die konzertierende Oboenkantilene bei Zaides
"Ruhe sanft, mein holdes Leben" (von Stephanie Elliot glockenhell gesungen). Köstlich auch, wie redselig Mozart den Gomatz in seiner Arie "Herr und Freund, wie dank' ich dir" als reimenden Komödianten porträtiert. Georg Poplutz bringt den Humor dieser Szene genauso zum Funkeln wie Ehrhardt die federnde Spannung, rhythmisch angereichert durch den Perkussionisten des Pera Ensembles. Solche Authentizität einer ursprünglichen, den Europäern fremden Kultur repräsentierte der türkische Sänger Bekir Ünlüataer: Erhaben sang er seine Melismen unterm Turban auf der Galerie. Mit einem echten Janitscharenmarsch der vereinigten Ensembles endete diese "Fête du Serail".
(Esslinger Zeitung 27.06.2006 )

 

Musikalische Symbiose von Original und Vorstellung

Die Vorstellung orientalischer Musik von Komponisten wie Mozart und Cannabich verschmilzt mit türkischen Kompositionen aus derselben Zeit zu einer Einheit. Es ist schon gewohnheitsbedürftig für unsere westeuro-päischen an Dur- und Moll-Töne gewöhnten Ohren, wenn man den Gesängen Bekir Ünlüataers lauscht. Der in der Türkei äußerst bekannte Sänger beherrscht das viel feiner geteilte Tonsystem der Kunstmusik des ehemaligen osmanischen Reiches perfekt. In zwei Vorstellungen der Ludwigsburger Schlossfestspiele hatte man die Gelegenheit, auf Original-Instrumenten gespielte Musik aus der Zeit der Sultane zu hören, dem dazugehörigen Gesang aus Ünlüataers Kehle zu lauschen und zu genießen, wie Komponisten wie Mozart und Cannabich sich orientalische Musik vorstellten oder was sie daraus gemacht haben. Einer Uraufführung konnte das Publikum in der Bietigheimer Kelter beiwohnen: Mit einem schlauen Konzept versuchte die Produktion der Ludwigsburger Schlossfestspiele eine Annäherung der Kulturen, die gelang. Auf der orientalisch gestalteten Bühne fand eine Gegenüberstellung und ein Miteinander statt, wie man es noch nie gesehen und gehört hatte: Auf der einen Seite saßen die Musiker in Kammerensemble-Formation von L’arte del mondo unter Leitung von Werner Ehrhardt, der auch das Gesamtkonzept erarbeitet hatte. Auf der anderen Seite saßen vier Musiker des Pera Ensembles aus Istanbul. In der Mitte die Märchenerzählerin Ulla Kanold. Mithilfe des Märchens von Zaide einfühlsam und spannend erzählt, wurde eine Handlung auf der Bühne in Szene gesetzt. Sopranistin Stephanie Elliott als Zaide und Tenor Georg Poplutz als ihr Geliebter Gomatz sangen die Arien aus Mozarts nicht zu Ende kompo niertem Singspiel. Als musikalischer und dramatischer Gegenpart agierte und sang auf der Balustrade der türkische Sänger Bekir Ünlüataer. Das Märchen hatte auch Mozart inspiriert, den Orient und seine Musik und das Leben in allen Facetten noch einmal, nach. Die Entführung aus dem Serail, zu thematisieren. Und auch Christian Cannabich hatte Auszüge daraus in sein Ballett Les Fetes du Serailles eingearbeitet. Diese beiden Kompositionen waren Grundlage für den Vortrag des Ensembles L'arte del mondo. Hier wurde deutlich, dass für die europäischen Kompo-nisten der Einsatz von Trommeln und Schellen alleine schon als orientalisch galt. Der orientalische Einschlag in diesen Kompositionen kam vom türki-schen Ensemble. Dieses stellte den vom Orient inspirierten Musikstücken Original-Musik aus Sammlungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert gege-nüber. Dass die türkische Musik ganz anders klang, als Mozart und Cannabich sie vermittelten, wurde besonders deutlich im Gesang von Bekir Ünlüataer. In dem Märchen, das Ulla Kanold erzählte, spielte er den Sultan,  der sich in Sklavin Zaide verliebt, die aber schon längst mit Diener Gomatz verbandelt ist. Sie fliehen, werden gefangen und zittern vor der Verurteilung. Doch dann erkennt der Sultan, dass er sich der erschlichnen Beut' nicht freuen kann und schenkt ihnen die Freiheit. Vor allem Ünlüataers Gesänge waren sehr interessant, sehr andersartig. Kehlig intonierte er, jammerte, seufzte und jubelte in hohen Tönen. Kaum öffnete sich sein Mund, die Töne wurde tief im Rachen gebildet. Das türkische Musiksystem hat ein äußerst kompliziertes Tongefüge: Einer unserer Ganztöne entspricht etwa neun Tönen im türkischen System – daher hört sich die Musik für Westeuropäer fast unverständlich wie ein Gemurmel oder eine Leier an. Außerdem haben die Tonarten verschiedene rhythmische Muster, die so genannten Maqams. Es gibt über 900 Maqams. Jeder Takt hat eine eigene emotio-nale Ausdruckskraft. Das ist nicht leicht für uns, dem zuzuhören. Aber mit der Zeit bemerkt man die starke Ausdruckskraft des Gesanges, den Ünlüataer überzeugend darbot. Mit der Ud, der Knickhalslaute, der Flöte Ney und vielen außergewöhnlichen Perkussionsinstrumenten führte das Ensemble Pera in diese klassische Musik der Türkei ein. Das Gesamt-kunstwerk war ein großer Erfolg für die Vermittlung zwischen den Kulturen und für den Besucher ein unvergleichliches Erlebnis, das mit nicht enden wollendem Applaus belohnt wurde.

 

VON GABRIELE SZCZEGULSKI
(Bietigheimer Zeitung 24.06.2006)