One God

Programm und Besetzung

Geistliche Musik, im Judentum, Christentum und Islam

Byzantion-Konstantinopel, das urbane Zentrum des Oströmischen Reiches, später unter den Osmanen als Istanbul die Brücke zwischen Orient und Okzident, Europa und Asien. Über 2000 Jahre gab es hier ein gedeihliches Zusammenwirken und eine friedliche Koexistenz aller Rassen, Kulturen und Religionen. Später dann, ab 1453, nach der Eroberung Konstantinopels durch Sultan Mehmet II., waren Christen, Juden und Moslems Untertanen und Diener des Osmanischen Sultans. Fast zur gleichen Zeit kam es im Abendland zur Vertreibung der Juden und Moslems aus Spanien (unter Alphons dem Weisen) im Zuge der Rekonquista und dann zur Inquisition und zum Ende der Koexistenz der drei Weltreligionen in Europa.

In der Folge wird Istanbul nicht nur zum Zentrum des osmanischen Imperiums, sondern ebenso zum kulturellen Epizentrum des Orients. Musiker wie Dichter, ob Perser, Araber, Griechen, Armenier, Inder oder Juden - sie alle sind am Hofe des Grosstürken gleichermassen willkommen. Und so kommt ein zauberhaftes, melodisches Amalgam zur Blüte. Etwa wenn die sephardischen Juden ihre hebräischen Ritualtexte mit den Liedern der Sufis verbinden oder wenn christliche Komponisten und Musiker - wie z.B. Zaharya – osmanische Musik im Serail lehren.

Es war in der Tat das goldene Zeitalter einer Symbiose verschiedenster Kulturen unter dem Halbmond. Toleranz und Respekt zwischen den drei Weltreligionen wie Musik für den Einen, GOTT, JAHWE, ALLAH waren selbstverständlich. Der gemeinsame Prophet David bildet in diesem multikulturellen Miteinander das Zentrum und zugleich die Brücke zwischen den spirituellen Traditionen. Alle diese Aspekte werden auf dieser CD in exemplarischer Weise vorgestellt. Dazu gehören die Psalmenvertonungen von Goudimel, und Grandi, muslimische geistliche Lieder, so genannte “ILAHIS”, die den Prophet David und seine Geschichte zum Thema haben, wie auch ”MAFTIRIM“, Lieder, die in den Synagogen in Istanbul gesungen wurden.

Weiter die Psalmen 1, 2, 5, 8 und 10 aus dem Genfer Psalter des 16. Jahrhunderts, die von Ali Ufki (Wojciech Bobowski) in einer ins Türkische übersetzten Transkription in den osmanischislamischen Kulturraum eingeführt wurden. Er übernahm 14 Psalmen aus dem Genfer Psalter (1565 veröffentlicht) und übersetzte sie ins Türkische. Für eine lange Zeit nahm man an, dass diese Werke Kompositionen von Ali Ufki waren, und spielte sie wie originäre islamische Musik, ohne Kenntnis, dass der Ursprung der “Goudimel Psalmen” christlich war. Ali Ufki alias Wojciech Bobowski war ein polnischer Hugenotte, der als Sklave in den Serail des Sultans gebracht wurde, später zum Islam konvertierte und durch seine künstlerische Tätigkeit zum Bindeglied zwischen Orient und Okzident wurde. Einmal mehr bewährten sich Kunst und Musik als solide Grundlage für die Begegnung der drei monotheistischen Religionen. Unser Ziel ist es, mit dieser CD erneut eine harmonische Verbindung zwischen geistlicher Musik aus Europa und der türkisch- osmanischen Musiktradition herzustellen, diesen Austausch nicht nur auf geistigem und philosophischem Weg zu gehen sondern auch musikalisch zu realisieren und somit ein Stück des Traumes eines Ali Ufki wieder neu zu träumen.

Psalm Nr 5  

Psalm Nr 2  

 

Besetzung

Ahmet Özhan: Gesang
Robert Crowe: Gesang
Mehmet C. Yeşilçay: Ud
M. Ihsan Özer: Kanun
Hasan Esen: Kemençe
Volkan Yilmaz: Ney
Serdar Bişiren: Perkussion
Werner Ehrhardt: Violine
Andrea Keller: Violine
Antje Sabinski: Viola
Gerhart Darmstadt: Cello
Stephan Rath: Lauten

Auszüge aus dem Programm:

Bringt her den Herren (Schütz) (1585-1672)
Cantabo Domine (Grandi) (1577-1630)
Promised Land (On Jordan's Stormy Banks)  American traditional
Psalmen aus dem Genfer Psalter (Goudimel) (1500-1572)
Mezmurlar (Ali Ufki) (1610-1675)
Ilahi (Sultan Murad Han IV.) (1612-1640)
Yslach mi shamayyim (Maftirim Gesang, Synagogenlied)


Wojciech Bobowski (Albertius Bobovius) geboren 1610 in Lwow (Lemberg) in Polen wurde von Tataren im Alter von 30 Jahren gefangen genommen und nach  Istanbul der Hauptstadt des Osmanischen Reiches verschleppt. Da er sehr sprachbegabt war (einige Qeullen berichten, dass er 17 Sprachen beherrschte) wurde er am Hofe des Sultan Murad IV., Sultan Ibrahim I. und später unter Sultan Mehmet IV. als Übersetzer eingesetzt. Als Musiker Ausbildung als Kirchenmusiker in Polen), interessierte er sich für die Musik am Hofe; er lernte Santur spielen und fing an türkische Musik zu studieren. Nachdem er zum Islam konvertierte wurde er Santuri Ali Ufki Bey genannt. Sein Talent ermöglichte ihm einen hohen Posten als Musiklehrer, den er für 19 Jahre am Hofe ausübte. Er hinterließ drei wichtige Werke über türkische Musik. 1650 verfasste er ein gesammeltes Werk von türkischen Titeln mit dem Namen Mecmua-yi Saz u Söz. Kurz nach seinem Tode wurde dieses wichtige Werk über türkische Musik im 17. Jhd. nach London in das British Museum gebracht. Ebenso die Übersetzung des Neuen Testaments (Kitab-i Mukaddes) ins Türkische und eine Dokumentation über das Leben am osmanischen Hof (British Library) fand seinen Weg nach London. Eine andere Handschrift über die Psalmen Davids befindet sich heute im Paris Bibliotheque Nationale. Er wählte die ersten 14 Psalmen aus dem Genfer Psalters als Vorlage für seine Übersetzung in die türkische Sprache (1665-1673). Über Jahrhunderte nahm man an, dass diese Werke von Ali Ufki selbst komponiert waren. Erst sehr spät erkannte man, dass diese Musik identisch mit dem Genfer Psalter des 16. Jahrhunderts war. Für Muslime sind die Psalmen Davids (Mezmur) eine wichtige Quelle der sog. Buchreligionen. Die drei monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam verehren gleichsam den Propeten David. Somit ist die Gemeinsamkeit nicht nur durch den Glauben an den einen Gott, sondern auch in der Arbeit des Ali Ufki reflektiert. Er versuchte möglicherweise durch seine Übersetzung des Genfer Psalters auf seine Weise die Gemeinsamkeiten dieser Religionen hervorzuheben. Als ein polnischer Hugenotte, der zum Islam konvertierte, diente er als Bindeglied und Botschafter der Kulturen. Seine Kenntnisse über das Leben am imperialen Hof und der osmanischen Kultur konnte er an ausländische Botschafter in Konstantinopel vermitteln und somit zum besseren Verständnis beitragen. Ali Ufki fand seinen Platz in den Herzen der Liebhaber der türkischen Musik. Sein Bemühen und Wirken sind noch bis heute beispiellos.

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