Programm
Hacivat Karagöz
Hacivat Karagöz
Hacivat Karagöz
Schattenspiel
Das osmanische Schattentheater "Hacivat Karagöz"

Karagöz, das türkische Schattentheater, war im Osmanischen Reich des
16. und 17. Jh. die beliebteste Form der Unterhaltung. Es erfreute alle
Gesellschaftsschichten, die “High Society“ lachte am Sultanshof ebenso
darüber wie das einfache Volk in den Kaffeehäusern der Städte. Auch bei
privaten Familienfesten buchte man Vorstellungen des Schattentheaters,
und besonders oft veranstalteten die Osmanen Karagöz-Aufführungen im
Fastenmonat Ramadan, wenn man sich nach Sonnen-untergang zum gemeinsamen
Essen traf.
Die Vorstellung, der Schattenspieler und seine Figuren
Die
für das Schattentheater benötigte Bühne bzw. Kulisse bestand aus einer
hölzernen Rahmenkonstruktion. Der dahinter verborgene Spieler agierte -
für das Publikum unsichtbar - mit den Schattentheaterfiguren vor einem
Bühnenfenster, das mit einem hellen transparenten Stoff bespannt war.
Die Figuren waren flache Scherenschnitte aus dünnem, durchsichtig geschabtem und bunt gefärbtem Leder, oft Kamelhaut. Ihre Größe schwankte zwischen 10 und 40 cm. Sie waren durchbrochen gearbeitet, so dass ihnen Licht- und Schattenwechsel Details, z.B. ausdrucksvolle Augen, verliehen.
Hinter der von Kerzen oder Lampen angestrahlten Leinwand bewegten sich die Figuren als farbige Schatten. Da die Einzelteile der Puppen, etwa die Gliedmaßen, an den Gelenken, aber auch an Kopf und Taille durch Schnüre verbunden waren, konnten die Gestalten abrupt-komische Bewegungen und lustige Verrenkungen vollziehen. Der Puppenspieler steuerte sie mit Hilfe von Stöcken, an denen sie befestigt waren. Mit großer Fingerfertigkeit dirigierte er bis zu drei Figuren und imitierte dazu die unterschiedlichen Stimmen.
Die Figuren waren flache Scherenschnitte aus dünnem, durchsichtig geschabtem und bunt gefärbtem Leder, oft Kamelhaut. Ihre Größe schwankte zwischen 10 und 40 cm. Sie waren durchbrochen gearbeitet, so dass ihnen Licht- und Schattenwechsel Details, z.B. ausdrucksvolle Augen, verliehen.
Hinter der von Kerzen oder Lampen angestrahlten Leinwand bewegten sich die Figuren als farbige Schatten. Da die Einzelteile der Puppen, etwa die Gliedmaßen, an den Gelenken, aber auch an Kopf und Taille durch Schnüre verbunden waren, konnten die Gestalten abrupt-komische Bewegungen und lustige Verrenkungen vollziehen. Der Puppenspieler steuerte sie mit Hilfe von Stöcken, an denen sie befestigt waren. Mit großer Fingerfertigkeit dirigierte er bis zu drei Figuren und imitierte dazu die unterschiedlichen Stimmen.
Die Charaktere
Das Schattentheater war keineswegs ein
oberflächliches Amüsement, sondern eine hintergründige Komödie mit
manchmal auch satirisch-possenhaften Zügen. Einer der beiden
Hauptakteure war Karagöz (Schwarzauge), ein ungebildeter, oft als
Zigeuner dargestellter Bauer. Trotz seiner Faulheit und
Grobschlächtigkeit machten ihn seine lustige Schläue und Vorwitzigkeit
zum sympathischen Schalk und erklärten Liebling des Publikums. Er war
die Identifikationsfigur des Volkes schlechthin.
Der Widerpart von Karagöz und der zweite Protagonist im Spiel, war sein hochnäsiger Nachbar Hacivat. Feinsinnig und gebildet, verkörperte der höfliche Biedermann einerseits “political correctness“, andererseits trachtete er - typisch Doppelmoral - selbstsüchtig nach seinem persönlichen Vorteil.
Der Widerpart von Karagöz und der zweite Protagonist im Spiel, war sein hochnäsiger Nachbar Hacivat. Feinsinnig und gebildet, verkörperte der höfliche Biedermann einerseits “political correctness“, andererseits trachtete er - typisch Doppelmoral - selbstsüchtig nach seinem persönlichen Vorteil.

Daneben gab es weitere prototypische Charaktere, die die Gestalten aus
dem osmanischen Alltagsleben karikierten. Insgesamt kannte man 50-60
Figurentypen. Diese stammten aus unterschiedlichen gesellschaftlichen
Schichten und Volksgruppen. Man begegnete dem armen Säufer Matiz ebenso
wie dem reichen Frauenheld Çelebi. Bevorzugt persifliert wurden auch
Frauen, die als geschwätzige und untreue Ehefrauen oder Töchter sowie
raffinierte Kurtisanen in Erscheinung traten. Ebenso erging es
ausländischen Minderheiten, den Persern, Griechen, Arabern oder Juden.
Der Auftritt all dieser Figuren während des Spiels wurde mit einer Art
musikalischem Leitmotiv, einer bestimmten Melodie, angekündigt.
Die Handlung des Schattentheaters
Jedes Schattenspiel
bestand aus folgenden Teilen: Vorwort, Dialog bzw. Haupthandlung und
Schlusswort. Die Aufführung begann mit dem Vorwort, in dem Hacivat ein
Lied und ein Gedicht vortrug. Mit diesen belehrte er die Zuschauer über
die Eitelkeit der Welt und die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens,
das ebenso nichtig und scheinbar wäre wie das Illusionstheater selbst.
Es folgten Lobpreisungen Gottes und Segenswünsche für den Sultan und
die Zuschauer, sowie der Hinweis auf den legendären Gründer des
Theaters, Scheich Kuşteri. Hacivats Vorwort schloss mit dem Wunsch nach
einem kultivierten Gesprächspartner, woraufhin Karagöz auftrat, der
sofort eine Prügelei provozierte.
In dem sich anschließenden Dialog entwickelte sich die eigentliche Handlung in mehreren kurzen Szenen. Sie konnte von unterschiedlicher Thematik sein. Manche der insgesamt 30-40 Karagözstücke widmeten sich alltäglichen Sorgen und Problemen, andere sagen- und märchenhaften Inhalten. Meist heckte der Protagonist Karagöz Pläne aus, um irgendwie an Geld zu kommen oder übernahm eine Aufgabe, für die er völlig ungeeignet war. So ergaben sich allerlei Schwierigkeiten und Verwicklungen. Dabei stiftete er mit seinen Späßen und Betrügereien allerlei Unheil, während er sich auf naseweise Art Vorteile zu ergaunern suchte. Doch im Endeffekt war Karagöz immer selbst der Geprellte und Getäuschte und sein Nachbar Hacivar musste ihn aus dem Schlamassel befreien. Nichtsdestotrotz stritt sich der kleine Mann aus dem Volk unverdrossen weiterhin mit dem überkandidelten Hacivat, schwang unverschämt-witzige Reden und teilte permanent Ohrfeigen aus.
Die Komik des Spiels resultierte aus den doppeldeutigen Wortspielen und den Missverständ-
nissen zwischen den Akteuren. Weil sich Hacivat vornehm und gewählt ausdrückte, wobei seine Sprache mit unverständlichen Fremdwörtern durchsetzt war, pflegte Karagöz einen unfeinen, derben Jargon. So gerieten beide fortwährend aneinander und die Streitgespräche endeten regelmäßig in Raufereien. Das satirische Spiel wollte jedoch nicht nur unterhalten, sondern Kritik an den bestehenden Verhältnissen üben, soziale und politische Missstände, z.B. Brautkauf, Frondienst oder Geldverleih, anprangern. Dabei repräsentierte Karagöz den mit seinen Verhältnissen unzufriedenen kleinen Mann aus dem Volk.
Im Schlusswort trafen die Antipoden nochmals aufeinander. Karagöz sprach die Schlussformel, in der er sich für seine Unflätigkeiten und verbalen Fehltritte entschuldigte. Zugleich drohte er seinem Nachbarn mit einer erneuten Tracht Prügel, und das Publikum freute sich bereits auf eine Fortsetzung des Spiels.
In dem sich anschließenden Dialog entwickelte sich die eigentliche Handlung in mehreren kurzen Szenen. Sie konnte von unterschiedlicher Thematik sein. Manche der insgesamt 30-40 Karagözstücke widmeten sich alltäglichen Sorgen und Problemen, andere sagen- und märchenhaften Inhalten. Meist heckte der Protagonist Karagöz Pläne aus, um irgendwie an Geld zu kommen oder übernahm eine Aufgabe, für die er völlig ungeeignet war. So ergaben sich allerlei Schwierigkeiten und Verwicklungen. Dabei stiftete er mit seinen Späßen und Betrügereien allerlei Unheil, während er sich auf naseweise Art Vorteile zu ergaunern suchte. Doch im Endeffekt war Karagöz immer selbst der Geprellte und Getäuschte und sein Nachbar Hacivar musste ihn aus dem Schlamassel befreien. Nichtsdestotrotz stritt sich der kleine Mann aus dem Volk unverdrossen weiterhin mit dem überkandidelten Hacivat, schwang unverschämt-witzige Reden und teilte permanent Ohrfeigen aus.
Die Komik des Spiels resultierte aus den doppeldeutigen Wortspielen und den Missverständ-
nissen zwischen den Akteuren. Weil sich Hacivat vornehm und gewählt ausdrückte, wobei seine Sprache mit unverständlichen Fremdwörtern durchsetzt war, pflegte Karagöz einen unfeinen, derben Jargon. So gerieten beide fortwährend aneinander und die Streitgespräche endeten regelmäßig in Raufereien. Das satirische Spiel wollte jedoch nicht nur unterhalten, sondern Kritik an den bestehenden Verhältnissen üben, soziale und politische Missstände, z.B. Brautkauf, Frondienst oder Geldverleih, anprangern. Dabei repräsentierte Karagöz den mit seinen Verhältnissen unzufriedenen kleinen Mann aus dem Volk.
Im Schlusswort trafen die Antipoden nochmals aufeinander. Karagöz sprach die Schlussformel, in der er sich für seine Unflätigkeiten und verbalen Fehltritte entschuldigte. Zugleich drohte er seinem Nachbarn mit einer erneuten Tracht Prügel, und das Publikum freute sich bereits auf eine Fortsetzung des Spiels.
Bas - Mani
Das Ensemble
Bekir Ünlüataer: GesangMehmet C. Yeşilçay: Ud
M. Ihsan Özer: Kanun
Hasan Esen: Kemençe
Volkan Yilmaz: Ney
Serdar Bişiren: Perkussion
Cengiz Özek: Schattenspiel
Hacivat | Karagöz | osmanische | Schattenspiel | Schattentheater | Sultanshof


