Presse

Presse zu den Konzerten bei dem Schleswig Holstein Musikfestival Juil 2011

From Soul to Soul

Klosterkirche wurde zum Liebestempel
So spannend kann der frühe Barock sein: Mag die stets auf Exotik ausgerichtete musikalische Stilrichtung in ihrer Mondänität und Ausschweifung vielen beim Hören zu langweilig vorkommen, wurden die Ohren so mancher Besucher an diesem Abend eines Besseren belehrt. Yesilcay und sein neunköpfiges Ensemble zeigten die frühe Hinwendung von Händel, Purcell oder Vivaldi zum Osmanischen Reich, das sich seinerseits der Musik des Westens annahm und diese mit eigenen Stilmitteln besetzte.
(Holsteiner Courier)

Mystik & Ekstase und Meditation

Tanzende Derwische, ewiger Kreislauf
Wir erleben den fantastischen Auftritt der drehenden Derwische, Mitglieder der Sufi-Brüderschaften, die musizierend Brücken zwischen Mensch und Gott bauen. Und singend und tanzend eine islamisch gefärbte Philosophie der Toleranz predigen, die zumal in den Texten des Mystikers Yunus Emre in wunderbarer orientalischer Blumigkeit zum Ausdruck kommt: "Die Liebe ist meine Konfession und meine Religion."
(Die Welt)

Beim Konzert des türkischen Pera Ensembles berühren sich zwei Welten - die der Christen und die der Muslime.
An diesem Abend ist wirklich etwas passiert: Durch die Musik haben sich zwei Welten einander angenähert und für einen kurzen Moment sogar berührt. Mehr kann Kunst kaum wollen.(Stä)
(Hamburger Abendblatt)


Die Faszination der Musik in der völlig ausverkauften Rellinger Kirche ging vor allen Dingen von dem meisterlichen Einsatz der orientalischen Instrumente aus. Viel Jubel und Beifall für großartige Musiker und Derwische: Deutsche und Türken sind durch mehr Empathie für diese Musik einander näher gerückt.
(Uetensener Nachrichten)

Tanzende Derwische begeistern das Rellinger Festivalpublikum
Es war ein faszinierender Anblick: Drei Sufis, auch Derwische genannt, drehen sich im Tanz zum Klang des Gesangs und der Musik des Pera Ensembles in der Rellinger Kirche.
(Hamburger Abendblatt)

 
Sieh was die Lieb' aus mir gemacht

Musikalische Reise in den Orient
Türkische Musik und Dichtung sorgten im Schloss Reinbek für ein ungewöhnliches Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals

Die Musiker und der Sprecher ergänzten sich trefflich. Der Schluss eines Gedichtes verhallte im Klang der Flöte. Oder Christian Brückner hob an und entfaltete die Poesie mit der genau zu gleichen Zeit einsetzenden Laute. Texte und Klang waren aus einem Guss. Dass sich zwischen die Lyrik von Rumi und dem osmanischen Dichter Yunus Emre auch Goethe mit seinem "West-östlichen Divan" mischte, war kaum zu erkennen. Für den großen Deutschen nichts Verwunderliches. Er schrieb: "Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen, Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen." Mit dem Länderschwerpunkt Türkei hat das Festival diesen kulturellen Spagat gewagt. In Reinbek glückte er.
(Hamburger Abendblatt)

Orientalische Klänge begeisterten im Schloss

Einen gleichsam ungewöhnlichen wie anspruchsvollen musikalisch-litararischen Abend präsentierte das Schleswig-Holstein Musik Festival im Schloss. Das Publikum war von dem kulturellen Brückenschlag zwischen Orient und Okzident begeistert.
Für den unbeschwerten musikalisch-literarischen Genuss sorgte ein hochkarätiges Künstler-Trio: Als einfühlsamer Rezitator begeisterte restlos der als „Die Stimme“ bekannte Schauspieler und Synchronsprecher Christian Brückner. Er ist seit 1976 die Feststimme von Robert de Niro. Die erhabene, ausdrucksstarke Art der Wiedergabe tiefsinniger, teils philosophischer, stets sehnsüchtiger Texte von Rumi, der Liebesgedichte von Emre und Goethe, entzückte.

(Bergedorfer Zeitung)

City of Peace Augsburg

Mehmet Yesilcay, würzte den Abend mit ein wenig Humor, als er das Einsickern der bratschenähnlichen Viola d’amore ins westliche Orchester mit der Situation von Deutschtürken der dritten Generation verglich – und als er die Aufgabe der militärischen Janitscharenmusik bündig damit erklärte, es sei darum gegangen, „euch Christen hier zu überfallen.

(Die Augsburger Zeitung)


 

Auf beiden Seiten der Barrikade wird brillant musiziert, von beiden Ensembles, allein das sorgt schon für großes Vergnügen. Heiser, haptisch und wie von einem anderen Stern wirkt die Stimme von Stargast Ahmet Özhan.
(FAZ)

Die Instrumentalensembles unter den Leitungen von Mehmet C. Yesilcay und Werner Ehrhardt spielen mit Herzblut und natürlicher Beseeltheit auf.
(Opernglas)

Gleichwohl ist für ein reizvolles Händel-Konzert gesorgt, und das exzellentem musikalischem Niveau
(Aachener Zeitung)

Amor oriental ist vieles in einem: modernes Händel-Pasticcio, Zusammenspiel von europäischer Klassik und orientalischer Sufi-Musik, nicht zuletzt abenteuerliches Märchen mit Happy End. Eingefangen in einem mitreißenden Live-Mitschnitt eines Konzertes aus der Berliner Philharmonie. Mit schmissigen Instrumentalnummern aus Händels beliebtesten Opern und den schönsten Arien wie "Piangerò", "Ombra mai fù", "Ah crudel", oder "No, no ch'io non" in orientalischem Gewand. Interpretiert vom Barock-Ensemble l'arte del mondo und der türkischen Gruppe Pera sowie Juanita Lascarro (Sopran), Florin Cezar Ouatu (Counter) und dem legendären Sufi-Sänger Ahmet Özhan.
So lebendig und farbenfroh war Händel schon lange nicht mehr. Orient meets Okzident at it's best.

"... von mitreißender Lebendigkeit"

(Berliner Zeitung)

"Das geschlossene System Barockoper scheint plötzlich durchlässig für außereuropäische Tonfolgen, eigenwillige Verwandtschaften tun sich auf. Die Figuren bekommen so geistig andere Farben und Charaktere. Manchmal kann Multikulti wirklich magisch sein. Man muss nur wissen wie."
(Die Welt, 07.04.2011)

"... ein rundum stimmiges Programm, das den Zuhörer ganz neue Facetten an Händels Musik entdecken lässt."
(Rondo Online, 09.04.2011)

"Selten dürfte das Duett "Scherzano sul tuo volto" aus Händels Oper "Rinaldo" derart gegroovt haben."
(NDR Kultur)

Die Zusammenstellung von Opernarien aus „Rinaldo“, „Serse“ und „Guilio Cesare“ mit Musik aus dem osmanisch-türkischen Kulturkreis lässt zwei Klangwelten, wie sie unterschiedlicher nicht seien können, verblüffend miteinander harmonieren.
So sind „Ombra mai Fu´“ und „Piangero“ die Highlights dieses „Rinaldo“-Projekts.
(Chrismon)

"... dass die Unterschiede zwischen Kulturen so groß dann doch nicht sind, wenn's um Liebe geht"
(Brigitte)

 

MIGMAGAZIN

Das Bühnenensemble, bestehend aus dem Pera Ensemble und dem Ensemble l`arte del mondo, der kolumbianischen Opernsängerin Juanita Lascarro, dem aus Rumänien stammenden Opernsänger Florin Cezar Ouatu und dem Solisten Ahmet Özhan, bietet seinem Publikum eine leidenschaftliche und pulsierende Liebesgeschichte.

„Nicht neben- sondern miteinander“
Dem Ensemble ist es gelungen, dass die verschiedenen Musik- und Stilrichtungen nicht neben- sondern vielmehr miteinander spielen. Darauf haben besonders Mehmet C. Yesilcay, Gründer und musikalischer Leiter des Pera Ensemble, und Werner Ehrhardt, Dirigent, wert gelegt.

„Wir gingen von der historischen Situation im 17. und 18. Jahrhundert aus, als die Gesandtschaften der verschiedenen Länder bei ihren Zusammenkünften auch ihre Musiker mitbrachten, die dann eben auch zusammen musiziert haben.“ so Ehrhardt.

„Interreligöses Happyend“
Eine Begegnung Armidas, der Tochter eines Derwischs und Rinaldos, der sich der Heerfahrt gegen den Islam anschließt, kann nichts Gutes verheißen. Dennoch verlieben sich die beiden ineinander. So nimmt die Geschichte ihren mal dramatischen, mal melancholischen und mal freudigen Lauf. Das Paar trotzt allen Widrigkeiten und Schwierigkeiten: ein „interreligiöses Happyend“ also.

Soviel gelebter und gefühlter Integration kann sich nicht einmal das sonst gediegenere Philharmoniepublikum entziehen. Standing ovations und tosender Beifall, kraftvoll im Takt sind das Ergebnis. Die Pastete der Integration wird miteinander genossen, nicht gegeneinander. Chapeau!

Berliner Zeitung
Die Auflösung von Fremdheit

Händel und Sufi-Gesänge im Kammermusiksaal der Philharmonie

Martin Wilkening

Auf eine universale Auflösung von Fremdheit zielt auch das Opernprojekt, das am Mittwoch in der "Alla turca" - Reihe der Philharmonie zur Aufführung kam. Erstaunlich war der Abend vor allem, weil der "kulturelle Dialog" aus der Praxis der Musiker sprach, und weil die vielfältigen Reize hinter der Oberfläche eine Sorgfalt erkennen ließen, in der Differenzen bewahrt wurden und trotzdem etwas Gemeinsames entstand. Dieses Gemeinsame besaß nichts Didaktisches oder Steifes, sondern war von mitreißender Lebendigkeit. Werner Ehrhardt, Begründer des "Concerto Köln" und jetzt mit seinem neuen "Ensemble l"arte del mondo" unterwegs, arbeitet schon länger mit Mehmet C. Yesilcay zusammen. Der in München lebende Ud-Spieler hat im Ensemble Sarband ähnliche Projekte mitgestaltet und war jetzt mit seinem eigenen "Pera Ensemble" aus Istanbul dabei. "Armida" nannte sich ihr Pasticcio, in dem Händels Opernwelt mit der Welt des Sufi-Gesanges überblendet wurde.

Der Stoff tritt, auch weil es weder Rezitative noch Dialoge gibt, in den Hintergrund. Für die Begegnung der Kulturen steht hier die Zeit der mittelalterlichen Kriegszüge der Kreuzfahrer. Die Liebesgeschichte zwischen dem Ritter Rinaldo und der Zauberin Armida wird nicht entfaltet, sondern in einer Vielzahl von Arien und Duetten, nicht nur aus Händels "Rinaldo", immer erneut besungen. Armida ist in dieser Version die Tochter eines Derwischs, dessen von praktischer Menschenliebe geprägter inoffizieller Islam schon in Lessings "Nathan" mit Sympathie bedacht wird. Die Rolle des Derwischs hat vor allem die Funktion, die Sphäre der Sufi-Musik in die Oper hineinzutragen. Ahmet Özhan ist als deren Interpret nicht nur ein Sänger, er ist eine Instanz.

Der größte Vorzug dieser Produktion ist, wie klug und einfühlsam sie die Berührungspunkte zwischen den Polen ihrer musikalischen Welten abtastet. Die Sänger (außer Özhan noch der koloratursichere Countertenor Florin Cezar Ouatu und die Sopranistin Juanita Lascarro) bleiben im Wesentlichen in ihrem Fach. In dem zum Happy End abschließenden ekstatischen Sufi-Lied werfen die Opernsänger lediglich ein paar Brocken Türkisches ein, nur Özhan lässt seine rauh ergreifende Stimme einmal in einem italienisch gesungenen Duett und einer mit türkischem Text unterlegten Arie hören. Zwischen seinen tranceartigen Gesängen mit ihrer Mikrointervallik und Händels geradliniger Melodik vermitteln die Instrumente des europäischen und des türkischen Ensembles, die sich in die Sphären der jeweils anderen hinein bewegen, ohne dabei ihr eigenes zu verlieren. Unterschiedliche Intonation und Phrasierung berühren sich in faszinierender Weise, Ergebnis eines aufeinander Hörens, erste Bedingung für jeden Dialog.

 

Cello trifft Ud: Das Ensemble "Pera" im Weltkulturerbe

Völklingen. Das Ensemble "Pera" eröffnete im Völklinger Weltkulturerbe am Wochenende "Concertare 2010". Die deutsch-türkische Gruppe verschmolz höfische Barock-Musik mit osmanischer. Der Blick durchs Schlüsselloch in das Serail erspähte gar ein Cembalo, das wohl mehr in westlichen Barock-Stücken zu Hause ist. Die fanden exotische Umfärbung durch türkisches Instrumentarium: Flöte, Zither, die Laute Ud. Sängerin Ezgi Köker sorgte fürs laszive Timbre. Countertenor Valer Barna-Sabadus zeigte mit Koloratur-Bravour, glockenheller und ausdrucksstarker Stimm-Gestik, dass Westliches (Porpora, Vivaldi) weit ins Gefühlvolle reichen kann. fa

Mitteldeutsche Zeitung

Mit "Armida statt Rinaldo" hatten Werner Ehrhardt und Mehmet C. Yesilkay ein Pasticcio gebacken, das Zutaten aus Händel-Opern mit exotischen Gewürzen kombinierte - eine Melange aus Orient und Okzident, die sich als Rezept in Papierform wie ein respektvolles Neben- und Nacheinander las. Doch was man dann in der Ulrichskirche erlebte, war viel mehr - eine raffinierte Mischung der Aromen, eine wechselseitige Durchdringung und Bereicherung der Klangwelten.

Die Idee, die eurozentrische Sicht auf die Kreuzzüge umzukehren, sorgte dabei für den ästhetischen Mehrwert: Wenn sich nach einer Barock-Battaglia die türkische Ney-Flöte mit ihrem rauen Ton meldete, sah man förmlich den Wind über das leere Schlachtfeld fegen. Wenn sich der lupenreine Sopran von Juanita Lascarro oder der hohe Ton von Florin Cezar Ouatu mit den ungewohnten Skalen von Ahmet Özhan mischte, rührte gerade die Differenz zwischen diesen Ausdrucksformen unmittelbar an. Wie beflügelnd aber die Percussion auf die Streicher wirkte, wie perfekt sich die Klangfarben zu neuen Tönungen verbanden - das sollte die Veranstalter zu weiteren Begegnungen dieser Art ermutigen, bei denen die Barockmusik ihr Eigenes im Anderen spiegelt.

www.opernnetz.de

Mehmet Cemal Yesilcay und Werner Ehrhardt haben „ein interkulturelles Opernpasticcio“ – so der Untertitel dieses Armida-Projekts – zusammengestellt, ja geradezu genial zusammenkomponiert, das vor allem eines weckt: Emotionen! Und dies auf eine kaum zu beschreibende, ergreifende Weise.

... Eine Wucht, was dieser junge Rumäne an vokalen Funken schlägt, in Händels „Venti turbini“ beispielsweise. Balsamisch flutet sein „Ombra mai fu“, quecksilbrig schwirren seine aberwitzigen Koloraturen in „Crude furie“.

und Ahmet Özhan lässt seinen urwüchsigen, glaubwürdigen, überzeugenden Tenor fließen

... Weiß diese Sängerin, weiß Simone Kermes eigentlich, was sie in solchen unvergleichlichen Augenblicken anrichtet mit ihrem Publikum? Hektoliter an Tränen sind da geflossen-

Ruhrnachrichten

Festival Klangvokal
Pasticcio "Armida" war ein Brückenschlag von Händels zu türkischer Musik
Von Julia Gaß am 7. Juni 2009 

Ohne Brüche flossen Händels Musik und die aus der Türkei ineinander. Die "Armida" von Mehmet C. Yesilcay und Werner Ehrhardt erzählt die Geschichte der Liebe über Religionsgrenzen hinweg zwischen der Muslima Armida und dem Christen Rinaldo.
Simone Kermes, eine wilde, leidenschaftlich singende und spielende Sopranistin, wandelte emotionaler zwischen Orient und Okzident. Anrührende Momente hatte sie in den stillen Szenen, packende in den Arien, in denen sie zur Furie wurde.

Westfälische Nachrichten,

1. Februar 2009
Der Dirigent tanzt
... Das Steinfurter Publikum weiß, dass man zwischen den Sätzen- oder hier zwischen den Arien und Gesängen nicht klatscht – aber an diesem Abend siegte die Begeisterung vor der Contenance: Es gab ständig Beifall nach bewegend gesungenen arien oder auch nach einem Tambourin Solo – und natürlich bei dem mehrfach wiederholten Finale.

Monika Fahlbusch

Westfälische Nachrichten,

1. Februar 2009
Händels Orient-Ausflug
... Eine Oper die es gar nicht gibt ... aber mit drei außerordentlichen Künstlern, die jeden Augenblick mit elektrisierender Spannung füllten. ....
... die hoch konzentrierte Spannung entlud sich in überschäumenden Beifall.

Chr. Schulte im Walde

Münsterische Zeitung,

2. Februar 2009
.... So emanzipiert wie in diesem Konzert haben Orient und Okzident noch nie miteinder musiziert.
... Werner Ehrhardt leitete das Barockorchester L’arte del mondo und das türkische Pera-Ensemble. In der Kombination beider Musikkulturen überraschten die Gemeinsamkeiten mehr als die Unterschiede, angefangen bei der verblüffend ähnlichen Besetzung.
Und doch behielt jede Musik ihre Charakteristika. So deutlich wie in noch keinem anderen Konzert wurde die Frage, ob es eine allgemeingültige Musikkultur gibt, beantwortet: Nein, gibt es nicht. Und das ist auch gut so.

Dirk Jaehner

Leverkusener Anzeiger

Eine Versöhnung der Kulturen und Religionen, gewonnen aus dem Geist der Musik - das war „Armida, ein interkulturelles Opernpasticcio“, zu sehen im Forum. Im Untertitel verhieß das Projekt „Händel-Opern treffen auf türkische Musik“, und aus diesem Meeting ergaben sich dann sehr reizvolle Momente. Des Inhalts, dass Arien und Szenen aus Händels „Rinaldo“, „Julius Cesar“, „Alcina“, „Xerxes“ und „Agrippina“ mit Improvisationen aus dem osmanischen Reich konfrontiert, ergänzt und verschmolzen wurden. So ergab sich ein schillerndes musikalisches Panorama, in jeder Facette spannend und berührend.

 

Ich bin Wind Du bist Feuer

Bergische Symphoniker musizieren mit Klassik-Stars

Von Anne-Kathrin Reif

Ich bin Wind, und du bist Feuer - der Titel des 4. Philharmonischen Konzerts der Bergischen Symphoniker stammt aus dem Gedichtzyklus. West-östlicher Diwan von Johann Wolfgang von Goethe.

Orient und Okzident, Christentum und Islam lässt der Dichter, der eine tiefe Verehrung für die arabische Kultur hegte, hier zusammenfließen. Eine seiner Inspirationsquellen ist der große islamische Dichter und Philosoph Behli-Rumi, dessen 800. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird.
Frischen Wind bringen die Bergischen Symphoniker mit der Programmidee einer deutsch-türkischen Begegnung in den Konzertsaal: "Es ist uns schon lange ein Herzenswunsch, auch türkische Mitbürger anzusprechen", meint GMD Romely Pfund dazu. Und Gastdirigent Werner Ehrhardt vermittelt im Gespräch mühelos das Feuer der Begeisterung: "Wir haben das große Glück, mit den allerbesten Leuten für diese Musik zusammenzuarbeiten", schwärmt er.
Gemeint sind das türkische Pera-Ensemble und Gesangsstar Ahmet Özhan: "Wenn er singt, hält man den Atem an." Özhan, 1998 zum "Staatskünstler" berufen, gilt als einer der bekanntesten und erfolgreichsten Solisten der klassischen türkischen Musik.
Die Idee des Konzertes: Musikalische Welten des Orients und Europas treffen aufeinander, besinnen sich auf ihre Gemeinsamkeiten und gehen eine neue Verbindung ein. So werden im ersten Teil von türkischer Musik inspirierte Werke von Haydn, Beethoven und Rossini Kompositionen klassischer türkischer Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert gegenüber gestellt (z.B. Mustafa Itri Efendi, Zeki Mehmet Aga).
Verbindendes Element dabei sind Gedichte aus Goethes "Diwan" und von Belhi-Rumi, die von
Wolfgang Eysold, Chef des Westdeutschen Tourneetheaters, rezitiert werden.


Nach der Pause wird aus dem Neben- ein Miteinander-Musizieren - bei der Komposition "Le Desert" von Felicien David (1810-1876) ebenso wie bei der Uraufführung einer Komposition für türkische Instrumente und Symphonieorchester von Mehmet Cemal Yesilcay - er spielt im Pera-Ensemble die türkische Laute Ud. Dirigent Werner Ehrhardt ist sich sicher: Mit diesem außergewöhnlichen Projekt sind die Bergischen Symphoniker Vorreiter in der deutschen Musiklandschaft.

 

Ludwigsburger Schlossfestspiele laden zur "Fête du Serail" in der Bietigheimer Kelter

Mozart hat den jungen Liebenden einige schöne Arien auf den Leib geschrieben, die in manchem wie Fingerübungen zur "Entführung" anmuten. Etwa die konzertierende Oboenkantilene bei Zaides
"Ruhe sanft, mein holdes Leben" (von Stephanie Elliot glockenhell gesungen). Köstlich auch, wie redselig Mozart den Gomatz in seiner Arie "Herr und Freund, wie dank' ich dir" als reimenden Komödianten porträtiert. Georg Poplutz bringt den Humor dieser Szene genauso zum Funkeln wie Ehrhardt die federnde Spannung, rhythmisch angereichert durch den Perkussionisten des Pera Ensembles. Solche Authentizität einer ursprünglichen, den Europäern fremden Kultur repräsentierte der türkische Sänger Bekir Ünlüataer: Erhaben sang er seine Melismen unterm Turban auf der Galerie. Mit einem echten Janitscharenmarsch der vereinigten Ensembles endete diese "Fête du Serail".
(Esslinger Zeitung 27.06.2006 )

 

Musikalische Symbiose von Original und Vorstellung

Die Vorstellung orientalischer Musik von Komponisten wie Mozart und Cannabich verschmilzt mit türkischen Kompositionen aus derselben Zeit zu einer Einheit. Es ist schon gewohnheitsbedürftig für unsere westeuro-päischen an Dur- und Moll-Töne gewöhnten Ohren, wenn man den Gesängen Bekir Ünlüataers lauscht. Der in der Türkei äußerst bekannte Sänger beherrscht das viel feiner geteilte Tonsystem der Kunstmusik des ehemaligen osmanischen Reiches perfekt. In zwei Vorstellungen der Ludwigsburger Schlossfestspiele hatte man die Gelegenheit, auf Original-Instrumenten gespielte Musik aus der Zeit der Sultane zu hören, dem dazugehörigen Gesang aus Ünlüataers Kehle zu lauschen und zu genießen, wie Komponisten wie Mozart und Cannabich sich orientalische Musik vorstellten oder was sie daraus gemacht haben. Einer Uraufführung konnte das Publikum in der Bietigheimer Kelter beiwohnen: Mit einem schlauen Konzept versuchte die Produktion der Ludwigsburger Schlossfestspiele eine Annäherung der Kulturen, die gelang. Auf der orientalisch gestalteten Bühne fand eine Gegenüberstellung und ein Miteinander statt, wie man es noch nie gesehen und gehört hatte: Auf der einen Seite saßen die Musiker in Kammerensemble-Formation von L’arte del mondo unter Leitung von Werner Ehrhardt, der auch das Gesamtkonzept erarbeitet hatte. Auf der anderen Seite saßen vier Musiker des Pera Ensembles aus Istanbul. In der Mitte die Märchenerzählerin Ulla Kanold. Mithilfe des Märchens von Zaide einfühlsam und spannend erzählt, wurde eine Handlung auf der Bühne in Szene gesetzt. Sopranistin Stephanie Elliott als Zaide und Tenor Georg Poplutz als ihr Geliebter Gomatz sangen die Arien aus Mozarts nicht zu Ende kompo niertem Singspiel. Als musikalischer und dramatischer Gegenpart agierte und sang auf der Balustrade der türkische Sänger Bekir Ünlüataer. Das Märchen hatte auch Mozart inspiriert, den Orient und seine Musik und das Leben in allen Facetten noch einmal, nach. Die Entführung aus dem Serail, zu thematisieren. Und auch Christian Cannabich hatte Auszüge daraus in sein Ballett Les Fetes du Serailles eingearbeitet. Diese beiden Kompositionen waren Grundlage für den Vortrag des Ensembles L'arte del mondo. Hier wurde deutlich, dass für die europäischen Kompo-nisten der Einsatz von Trommeln und Schellen alleine schon als orientalisch galt. Der orientalische Einschlag in diesen Kompositionen kam vom türki-schen Ensemble. Dieses stellte den vom Orient inspirierten Musikstücken Original-Musik aus Sammlungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert gege-nüber. Dass die türkische Musik ganz anders klang, als Mozart und Cannabich sie vermittelten, wurde besonders deutlich im Gesang von Bekir Ünlüataer. In dem Märchen, das Ulla Kanold erzählte, spielte er den Sultan,  der sich in Sklavin Zaide verliebt, die aber schon längst mit Diener Gomatz verbandelt ist. Sie fliehen, werden gefangen und zittern vor der Verurteilung. Doch dann erkennt der Sultan, dass er sich der erschlichnen Beut' nicht freuen kann und schenkt ihnen die Freiheit. Vor allem Ünlüataers Gesänge waren sehr interessant, sehr andersartig. Kehlig intonierte er, jammerte, seufzte und jubelte in hohen Tönen. Kaum öffnete sich sein Mund, die Töne wurde tief im Rachen gebildet. Das türkische Musiksystem hat ein äußerst kompliziertes Tongefüge: Einer unserer Ganztöne entspricht etwa neun Tönen im türkischen System – daher hört sich die Musik für Westeuropäer fast unverständlich wie ein Gemurmel oder eine Leier an. Außerdem haben die Tonarten verschiedene rhythmische Muster, die so genannten Maqams. Es gibt über 900 Maqams. Jeder Takt hat eine eigene emotio-nale Ausdruckskraft. Das ist nicht leicht für uns, dem zuzuhören. Aber mit der Zeit bemerkt man die starke Ausdruckskraft des Gesanges, den Ünlüataer überzeugend darbot. Mit der Ud, der Knickhalslaute, der Flöte Ney und vielen außergewöhnlichen Perkussionsinstrumenten führte das Ensemble Pera in diese klassische Musik der Türkei ein. Das Gesamt-kunstwerk war ein großer Erfolg für die Vermittlung zwischen den Kulturen und für den Besucher ein unvergleichliches Erlebnis, das mit nicht enden wollendem Applaus belohnt wurde.

 

VON GABRIELE SZCZEGULSKI
(Bietigheimer Zeitung 24.06.2006)