Café

Höfische Musik aus Orient und Okzident


Seit dem Mittelalter hatte die Expansionspolitik des osmanischen Reiches das Abendland in Atem gehalten. Im 17. und 18. Jahrhundert siegte nun die Faszination für das Fremde über die Angst. Boten der Hohen Pforte und ihre Gastgeschenke lösten eine Begeisterungswelle für alles Türkische an Europas Höfen aus. Komponisten begannen, Musik im türkischen Stil zu schreiben- oder was immer sie dafür hielten. Darunter auch Lully in Versailles. Eines seiner bekanntesten Werke, „Le Bourgeois gentilhomme“, enthält gar eine komplette Derwischzeremonie. Wobei hier nicht nur die Lust am Exotischen zum Zug kam, sondern auch diplomatische Fehltritte musikalisch aufs Korn genommen wurden, denn der türkische Gesandte Yirmisekiz Çelebi Mehmet Efendi hatte sich erlaubt, den Sultan über Ludwig XIV. zu stellen- unverzeihlich in den Augen der Franzosen!

Ob am Hofe des Sonnenkönigs in Versailles, Berlin oder Wien -  die Damen hüllten sich in türkische Gewänder, naschten Leckerein aus dem osmanischen Reich und schmückten ihre Salons mit Tulpen. Die legendäre Marquise de Pompadour liess sich gleich in drei Gemälden für ihr Schlafzimmer als Haremsdame porträtieren. In den Residenzen feierte man rauschende türkische Feste und unterhielt eigene Janitscharenkapellen. Mitgereist war auch der Kaffee, ohne den fortan auch im Westen nichts mehr gehen sollte. Einem aromatischen Heißgetränk gelang, was die Politik nicht schaffte: Morgen- und Abendland harmonisch miteinander zu vereinen. „Zusammen Kaffee trinken“ bedeutet, eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Eine Tasse Kaffee sei wie vierzig Jahre Freundschaft, sagt ein türkisches Sprichwort.

Diesem Aspekt zollt das Programm "Cafe" mit Kammermusiken, Arien und höfischen Tänzen aus Orient und Okzident Tribut. Musik von Meistern, die dort erklang, wo der Kaffee serviert wurde: in Salon, Serail, Boudoir und Pavillon. Doch im Programm werden barocke Affektenkunst und osmanische Hofmusik nicht nur Seite an Seite gestellt, sondern es wird auch eine kreative Synthese aus beiden Welten geschaffen.

Programm:

Kammermusik, Arien, Solosonaten und-kantaten von:
Händel, Vivaldi, Heinichen, Telemann, Lully, Couperin, Philidor, Steffani,
Musik von Dede Efendi, Zaharya, Sultan Selim Han III., Tanburi Mustafa Çavuş und Dilhayat Kalfa

 

Musiker:

Mehmet C. Yesilçay: musikalische Leitung, Ud, Perkussion,
Mechthild Karkow: Violine

Michele Party: Violine
Sandra Sinsch: Oboe
Ihsan Özer: Kanun, Santur
Hasan Esen: Viola D'amore, Kemençe
Volkan Yılmaz, Ney
David Kuckhermann,  Perkussion
Matthew Cellan Jones, Theorbe, Gitarren
Franziska Grunze, Barockcello und Viola da Gamba
Sabine Erdmann: Cembalo
Ezgi Köker, Gesang

Valer Barna-Sabadus, Countertenor

Wir bieten dieses Programm ebenso als KAFFEE FÜR DEN KÖNIG für Kinderkonzerte an. siehe.....


Livemitschnitt Konzert Weltkulturerbe in Völklingen 10. September 2010

Türkischer Kaffee – von der „Zauberfrucht“ zum „Zaubergetränk“

Die Kaffeepflanze wurde im zehnten Jahrhundert in Äthiopien entdeckt. Damals wurden die Säfte der gekochten Früchte, die „Zauberfrüchte“ genannt wurden, als Heilmittel verwendet.

Mit dem Bekanntwerden der Kaffeepflanze begann ihre Reise, die Jahrhunderte dauern sollte. Unter Sultan Süleyman I. trank im Jahre 1543 Özdemir Pascha, der Statthalter von Jemen, zum ersten Mal Kaffee. Er schmeckte ihm besonders gut, und so nahm er ihn mit nach Istanbul.
Schon nach kurzer Zeit nahm der Kaffee als beliebtes Getränk seinen festen Platz in den Palastküchen ein. Unter den Bediensteten gab es nun auch den „Kaffeekocher“. Dieser war ausschließlich dafür zuständig, den Kaffee für den Sultan oder seinen Dienstgeber zuzubereiten. Der Kaffeekocher sollte vor allem treu sein und schweigen können. In der osmanischen Geschichte gibt es sogar Männer, die vom Kaffeekocher zum Großwesir aufgestiegen sind.

Vom Palast kam der Kaffee in die Residenzen und allmählich auch in die Privathäuser. So wurde er in kürzester Zeit zum Lieblingsgetränk in Istanbul. Die rohen Kaffeebohnen, die am Markt gekauft wurden, röstete man zu Hause in einer Pfanne an und mahlte sie, um sie anschließend in der Kaffeekanne zu kochen.
Die Händler, die aus Venedig nach Istanbul kamen, nahmen dieses Getränk, das ihnen sehr gut schmeckte, mit nach Venedig. So lernten im Jahre 1615 auch die Europäer den Kaffee kennen. Der anfangs von Limonadeverkäufern auf der Straße verkaufte Kaffee wurde im Jahre 1645 im ersten italienischen Kaffeehaus angeboten. Schon bald vermehrte sich die Anzahl der Kaffeehäuser, die zum Treffpunkt für Künstler, Studenten und anderen Gruppen der Gesellschaft wurden.
Die Reisenden, die in Istanbul den Kaffee kennen lernten, machten Kaffee durch ihre Texte auch in Marseille bekannt. 1644 wurden Kaffeebohnen und alle notwendigen Utensilien zum Kochen und Servieren türkischen Kaffees vom französischen Botschafter Monsieur de la Roque zum ersten Mal in sein Land eingeführt.
27 Jahre später wurde das erste Kaffeehaus in Marseille eröffnet. Anfangs wurden die Lokale zwar nur von Reisenden und Händlern bevorzugt, doch mit der Zeit wurden sie zum Treffpunkt für diverseste Gruppen der Gesellschaft.
Bereits zwei Jahre vorher, 1669, sandte Sultan Mehmet IV. dem französischen König Louis XIV. einen Boten: Der osmanische Kurier, der neben persönlichen Gegenständen auch Säcke voll Kaffeebohnen mitbrachte, stellte den Franzosen den türkischen Kaffee als ein „Zaubergetränk“ vor.
So wurde der gesellige und witzige Süleyman Ağa, der den Kaffee in die Pariser Gesellschaft einführte, in kurzer Zeit zum Liebling der Pariser Aristokraten. Für sie war es etwas Besonderes, Süleyman Ağa zu besuchen, der neben dem exzellenten Geschmack des türkischen Kaffees auch seine Kultur mit den Gästen teilte und für eine gute Unterhaltung sorgte. Der Bote erzählte unzählige Geschichten über den Kaffee und beeindruckte damit seine Gäste.
1686 wurde das „Café de Procope“ – ein „echtes Kaffeehaus“ – in Paris eröffnet. Es wurde rasch zu einem Ort, wo sich bekannte Dichter, Schriftsteller, Akteure und Musiker trafen. Prominente Namen wie Rousseau, Diderot oder Voltaire wurden in diesem Kaffeehaus zu „Süchtigen“. Im Anschluss an das Café de Procope wurden in den Straßen von Paris etliche weitere Kaffeehäuser eröffnet.
Nach dem Ende der zweiten Türkenbelagerung im Jahr 1683 ließen die Türken viele Dinge in Wien zurück, darunter auch 500 Säcke Kaffee. Damals wussten die Wiener allerdings noch nicht, was Kaffee ist. Ein Hauptmann unter ihnen behauptete sogar, dass die Kaffeebohnen Kamelfutter seien, und wollte sie in die Donau schütten.
Der Wiener Soldat Georg Franz Kolschitzky, der lange Zeit als Spion unter den Türken unterwegs gewesen war, erfuhr davon und verlangte die Kaffeebohnen als Gegenleistung für seine Leistungen während des Krieges. Später bot Kolschitzky den türkischen Kaffee den Wienern in kleinen Tassen an und brachte ihnen auch bei, wie man ihn zubereitet. So lernten die Wiener den Kaffee kennen – wenigstens der Legende nach. Historisch fundiert dürfte dagegen sein, dass sich die Wiener Kaffeehäuser, die damals eröffnet wurden, an den Kaffeehäusern in anderen Ländern orientierten.
Kaffee und Musik
Auch Künstler wie Antonio Vivaldi und Carlo Goldoni wurden vom Kaffee inspiriert und schrieben das Werk „La Bottega del Caffè“. Johann Sebastian Bach ließ sich vielleicht am meisten vom Kaffee inspirieren und schrieb die Kaffee-Kantate, die 1732 veröffentlicht wurde. Der wichtigste Entstehungsgrund für dieses Werk war, dass zu dieser Zeit in Deutschland versucht wurde, den Frauen den Kaffee gesetzlich zu verbieten. Aber bei einem Kaffeegespräch sollte es doch keine Geschlechterdiskriminierung geben ...
In der Kaffee-Kantate ist Liesgen, die Tochter des Herrn Schlendrian, eine leidenschaftliche Kaffeetrinkerin, obwohl ihr Vater dies nicht gutheißt. So heißt es seitens Liesgens:

„Ei! wie schmeckt der Coffee süße,
Lieblicher als tausend Küsse,
Milder als Muskatenwein.
Coffee, Coffee muß ich haben,
Und wenn jemand mich will laben,
Ach, so schenkt mir Coffee ein!“

Kaffee und Malerei
Es gibt in den Museen Europas viele Bilder, zu denen sich Künstler vom Kaffee inspirieren ließen. Sie zeigen zumeist Kaffeehäuser, die Künstler oft frequentierten, oder Szenen mit Menschen, die sich während des Kaffeegenusses unterhalten. Das erste Bild von einem Kaffeehaus wurde vom holländischen Bildkünstler Adrian van Ostade gemalt. Bildkünstler wie François Boucher, Franz Schams oder Jean Léon Jérôme zeigen in ihren Bildern sowohl alte als auch neue Kaffeehäuser.
In der Türkei sind die Werke von Ali Riza Bey von großer Bedeutung, welche die Sommer- und Winterkaffeehäuser, Kaffeetassen, Kaffeekannen, Kaffeeschränke und Kaffeeverkäufer auf den Straßen wiedergeben.

Zubereitung des türkischen Kaffees:

Um einen köstlichen türkischen Kaffee zuzubereiten reichen einige Minuten.
Mit einer Tasse das Wasser abmessen und in die Kaffeekanne (Cezve, kleines Stielgefäß speziell für türkischen Kaffee) füllen.
Pro Tasse je zwei Teelöffel Kaffee und zwei Teelöffel Zucker hinzufügen, rühren und auf kleiner Flamme langsam kochen lassen.
Den Kaffee langsam aufschäumen. Den Schaum in die Tässchen füllen (für einen besonders schaumigen Kaffee) und weiter aufkochen lassen. Sobald der Kaffee anfängt aufzukochen, vorsichtig in die Tässchen gießen, damit der gesammelte Schaum nicht verloren geht. Neben dem Kaffee unbedingt ein Glas Wasser mitservieren. Dem Brauch nach wird vor dem Kaffee ein Schluck Wasser getrunken, damit alle Geschmäcker weggespült werden und man den Kaffee einwandfrei genießen kann. Nach dem Kaffee wird das restliche Wasser getrunken.

Das Herz verlangt weder nach Kaffee, noch nach dem Kaffeehaus;
Nach Gefährten sehnt es sich, Kaffee macht nur den Vorwand draus!

Artikel aus ZAMAN http://www.zamanavusturya.at/details.php?haberid=1098

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